
Retro-Ecke: Der Game Boy Color altert erstaunlich gut
Kein Hintergrundlicht, vier Knöpfe, ein Farbdisplay so groß wie eine Streichholzschachtel — und trotzdem eine der ehrlichsten Handkonsolen, die je über die Theke ging.
Manche Geräte werden mit den Jahren peinlich, andere werden Charakter. Der Game Boy Color gehört klar zur zweiten Sorte. Das kleine Farbdisplay ohne Beleuchtung zwingt dich ans Fenster oder unter die Lampe — und genau dieser kleine Aufwand macht das Spielen wieder zu etwas Bewusstem, das man sich für einen ruhigen Moment aufhebt.
Erschienen ist das Gerät Ende der Neunziger als Zwischenschritt zwischen dem grün-grauen Ur-Game-Boy und den späteren beleuchteten Handkonsolen. Der Clou war die Abwärtskompatibilität: die alten Graustufen-Module liefen weiter, teils sogar mit einer nachträglich eingefärbten Palette. Das machte den Umstieg schmerzlos und sorgt bis heute dafür, dass ein einziges Gerät zwei Spielgenerationen abdeckt.
Beim Ankauf schauen wir zuerst aufs Display. Ausgefallene senkrechte Pixelzeilen sind das häufigste Problem und leider unheilbar, weil sie am Anschlusskabel des Bildschirms hängen. Manchmal hilft sanfter Druck an der richtigen Stelle für einen Moment, aber verlassen kann man sich darauf nicht — so ein Gerät wandert bei uns in die Ersatzteilkiste, nicht ins Regal.
Danach kommt das Batteriefach. Zwei AA-Zellen halten erstaunlich lange, aber wer sein Gerät jahrelang mit eingelegten Batterien liegen ließ, hat oft grün-weiße Korrosion an den Kontakten. Leichte Ablagerungen bekommt man mit etwas Alkohol und einem Wattestäbchen weg, ausgefressene Federn nicht. Zuletzt prüfen wir die Gummis unter den Knöpfen — werden sie hart, verlieren A und B ihren Druckpunkt.
Wer heute einsteigt, sollte nicht auf den Sammlerpreis einzelner Vitrinenstücke schielen, sondern auf die Breite des Angebots. Rollenspiele, Puzzle-Titel und kleine Action-Perlen dieser Ära gibt es oft für schmales Geld, und sie spielen sich in kurzen Sitzungen hervorragend — ideal für die Fahrt mit der Linie 43 oder eine Viertelstunde in der Warteschlange.
Ein letzter Punkt aus Erfahrung: Das fehlende Hintergrundlicht ist kein Mangel, sondern der Grund, warum diese Handkonsolen so lange durchhalten und so wenig Elektronik verschleißt. Wer es heller mag, greift zum späteren Modell mit beleuchtetem Schirm — verliert dann aber ein Stück von der genügsamen Ruhe, die den Game Boy Color ausmacht.
Geschrieben am Prüftisch im Lager.

